
Kaffeetrinken auf österreichisch: Man trifft sich an einem öffentlichen Platz oder gleich im Kaffeehaus, setzt sich gemütlich auf einen Tisch, bestellt bei einem unhöflichen Kellner eine mehr oder weniger große Tasse Kaffee, lässt sich im Zigarettenduft der Nachbartische langsam selchen und bleibt für zumindest eine halbe Stunde sitzen.
Kaffeetrinken auf italienisch: Auf die Frage “Prendiamo un café?” (“Nehmen wir einen Kaffee?”) trifft man sich an einem öffentlichen Platz (niemals direkt im Kaffee) bzw. geht vom Arbeitsplatz los, und einigt sich, zu einer Bar (eine Bar in Italien würde bei uns vermutlich mit Café übersetzt werden, und ist nicht mit der Bar, in die man am Abend für einen Cocktail geht zu verwechseln) zu spazieren, die zumindest fünf Fußminuten entfernt ist. Sich für eine zu entscheiden ist oft gar nicht so einfach, da es in jeder Straße zumindest fünf davon gibt. Der Spaziergang zur Bar ist dabei fast schon der eigentliche Teil des “auf-einen-Kaffee-gehens”: Man spaziert langsam und tauscht sich dabei aus, meistens geht man daher auch nicht zur nächsten Bar sondern wählt eine etwas weiter weg liegende.
In der Bar angekommen, bestellt man “Due Café!”. Unter Café versteht man hier Espresso, der den ganzen Tag über getrunken werden kann. Cappuccino trinkt man nur zum “Frühstück”, längstens bis 11.00. Speziell für die Gegend um Bari üblich ist noch ein “Espressino” (übersetzt: Ausgedrückt-chen), eine Art Kompromiss zwischen Espresso und Cappuccino, getrunken aus einer kleinen, gläsernen Tasse. Espressini kann man den ganzen Tag über trinken. Andere, im Ausland verbreitetere Arten der Kaffeezubereitung (Café Latte, Verlängerter) sind hier nicht üblich, und man gibt sich dadurch wohl eher als Tourist zu erkennen.
Während der Kaffee konsumiert wird, wird lustigerweise wenig gesprochen, sonder mehr genossen. Kaffee trinkt man hier üblicherweise direkt an der Bar (al banco) im Stehen, die Kaffees haben nur wenige Sitzplätze.
Das Rauchverbot funktioniert in den Bars und Restaurants eigentlich recht gut (während in manchen Diskotheken und Pubs das Motto “Rauchverbot heißt, ich stell keine Aschenbecher auf” herrscht).
Gezahlt wird am Ende des Baraufenthalts, und zwar stets ohne Trinkgeld. Wer fünfzig Cent mehr bezahlen möchte und diese auf die Rechnung mit den Worten “Passt schon so” aufschlägt, erntet verwunderte Blicke und bekommt trotzdem das volle Wechselgeld retour.
Im Anschluss spaziert man dann wieder plaudernd zurück.
Ein Artikel ganz nach meinem Geschmack! Ich freu mich, dass auch du die Kulturunterschiede so siehst und beschreibst
Kleine Richtigstellung: Kaffee – caffè oder caffé
Bezüglich der 5-Geh-Minuten: italienische Geh-Geschwindigkeit oder österreichische Geh-Geschwindigkeit?
Und noch etwas Lustiges, was mir letztes Mal aufgefallen ist, als wir uns mit Stefania getroffen haben. War irgendwie ein Hybrid zwischen österreichischer und italienischer Kaffeehauskultur
Comment by giuà — March 24, 2010 @ 17:13
Hm, was ist der Unterschied zwischen caffè und caffé?
Fünf Minuten italienischer und österreichischer Gehgeschwindigkeit sind doch gleich lang oder? Fünf Minuten bleiben nämlich auch unterschiedlicher Gehgeschwindigkeit fünf Minuten
Comment by Daniel — March 24, 2010 @ 19:18
ad caffè und caffé: Ich habe von vielen Seiten gehört, dass die Richtung des ‘accent’ egal ist im Italienischen. Allerdings hat meine Mitbewohnerin, die irgendwann auch Lettere studiert hat, gemeint, dass man è und é verschieden ausspricht, und die korrektere Version é wäre. Da ich aber immer und überall gelernt habe, dass man caffè schreibt, wollte ich bei Möglichkeiten beschreiben.
mit è ist das e chiuso
und mit é eher aperto, as far as I know
Bezüglich der Gehgeschwindigkeit hast du schon recht, da ich aber die Entfernung (m) wissen wollte, hilfts mir ob du 5 min lang mit 2 km/h oder mit 6 km/h gegangen bist
Comment by Giuà — March 28, 2010 @ 13:21
Der wichtigste Unterschied ist wohl, dass der Kaffee in Italien doppelt so gut, aber dafür halb so teuer ist (zumindest an der Bar)!
Comment by Jan — April 12, 2010 @ 23:06